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Martha

Ein Film über die emotionale Freiheit einer Frau in geistiger Gefangenschaft.

1994 | Regie: Rainer Werner Fassbinder | Kamera: Michael Ballhaus
Margit Carstensen - Martha | Karlheinz Böhm - Helmut Salomon

Aufgewachsen im Patriarchat, geriet, durch den Plötzlichen Tod ihres Vaters, Marthas Weltbild der Einengung ins Wanken. Mit dem Rauchen, schriller Kleidung und dem Freilassen ungewohnter Emotionen, scheint sie aufzuleben.
Dies ist jedoch nur von kurzer Dauer, da mit ihrem angehenden Gatten eine Reinkarnierung des väterlichen Charakters in ihr Leben tritt. Bei ihrer Mutter äußert sich der Verlust des Vaters mit Alkohol- und Medikamentenmissbrauch in einem Kontrollverlust.
Zunächst scheint die Entwicklung von Mutter und Tochter gegensätzlich, doch mit der Zeit lässt auch Martha zu, dass ihr die Kontrolle über ihr Leben genommen wird. Mit der Ehe rücken auch die Ansichten ihres Mannes Helmut Salomon in den Vordergrund und bestimmen zunehmend ihr Leben.
Neben ihrer freien Entfaltung im Beruf, wird Sie auch in ihren geistigen Ansichten beschränkt und die Dogmen des Mannes auferlegt. Neben der Einschränkung im Denken, wird auch ihre körperliche Unversehrtheit durch die sadistischen Gelüste ihres Ehegatten zerstört.

Die kurzen Schübe ihrer Rebellion werden von ihm durch Ignoranz, Aussicht auf Einsamkeit und soziale Ächtung zunichte gemacht. Mit einem Ausgangsverbot, gedenkt er auch über ihre Bewegungsfreiheit wachen. In ihrer Unterdrückung willigt sie schließlich ein, doch wird bei bemerkter Missachtung durch die Quälung und Tötung ihrer Katze bestraft. Sie ist seinem Hund geworden, treudoof und unterwürfig. Die Katze, die das männliche Freiheitsprinzip verkörpert, stirbt und damit stirbt auch ein Teil von ihr. Ihr werden sowohl das weibliche, als auch das männliche Prinzip genommen und man macht Sie zur kalten Sklavin. Diese Entwicklung spitzt sich zu, als bei ihrem letzten Fluchtversuch in einem Autounfall ihr zur Befreiung gewillter Freund stirbt und Sie mit ihrer Lähmung die Beweglichkeit ihres Unterleib verliert. In diesem Zustand ist Sie endgültig fremdbestimmt und hat ihre realen Chancen des Ausbruchs verloren.
Sie erleidet letzten Endes dasselbe Schicksal wie ihre Mutter, den völligen Kontrollverlust über ihr Leben.